Lichtverschmutzung

Kennt ihr den kleinen Astronomen? Nein? Dann möchte ich ihn euch vorstellen

astronom-sterne

Wann immer sich die Gelegenheit bietet, packt er sein Teleskop ein und geht hinaus in die Nacht. Er liebt es, Sterne anzuschauen und es gefällt ihm, Fotos von Planeten zu schießen. Auch auf Gevatter Mond oder auf Mutter Sonne wirft er gerne einen Blick.

Der kleine Astronom hat einen mächtigen Gegner und dieser Gegner heißt  Licht.
Nein, nicht das Licht der Sterne, die er so gern betrachtet. Es ist vielmehr das andere Licht. Das Licht von Reklametafeln und Bewegungsmeldern. Das Licht von Industriebauten und Wohnhäusern. Das Licht von Autoscheinwerfern und Straßenlaternen.

 

Neulich stieg der kleine Astronom auf den Dachboden und baute dort seine Kamera auf. Wieder einmal mußte er fast ungläubig feststellen, wie viele Lichter es in einer Stadt wirklich gibt.

lichtverschmutzung

Der kleine Astronom schaute sich das Foto an und war im ersten Moment erschrocken. Der Vordergrund war taghell, die Häuser total übersteuert! Als er dann aber die Sterne im Bild sah, war er beruhigt. Es hatte doch besser geklappt, als er befürchtet hatte.

Der kleine Astronom hatte die Kamera so aufgebaut, daß die Laternen vor seinem Haus unterhalb der Dachkante blieben. An der Tatsache, daß diese Laternen mit ihrem Licht die umliegenden Häuser erhellten, konnte er aber auch nichts ändern. Er konnte leider nicht warten, bis die Laternen abschalteten. Die Sternbilder, die er fotografieren wollte, würden dann längst wieder hinterm Horizont verschwunden sein.

 

Als der kleine Astronom das Bild im Kasten hatte, schaute er noch ein wenig aus dem Dachflächenfenster und dachte über die Lichter nach.

 

Das Haus, in dem er wohnte, ein Eckhaus, war umzingelt von Laternen. Nur hinter dem Haus gab es eine Stelle von ein paar Quadratmetern, die immer im Schatten lag. Leider war diese Stelle für die meisten Beobachtungen ungeeignet. Umzingelt nicht nur von Laternen, umzingelt auch von Häusern, so dachte er bei sich. Nicht mal den Polarstern konnte er dort hinten sehen.

Die Laternen in der Straße schalteten um 1 Uhr nachts ab. Und auch die Scheinwerfer, die Burg und Kirche anstrahlten, wurden um diese Zeit dunkel. Das Auge des kleinen Astronomen gewöhnte sich dann immer schnell an die Finsternis. Mit jeder Minute wurde die Milchstraße deutlicher und immer mehr Sterne waren zu entdecken.

Das gelbe Licht der Straßenlaterne an der Ausfallstraße brannte die ganze Nacht hindurch. Und auch die Industriebetriebe, die Nachtschicht fuhren, blieben weiter beleuchtet. Der Astronom durfte nicht in diese Lichter blicken, denn sonst verlor sein Auge sofort wieder die Dunkeladaption. Damit konnte er aber umgehen. Er war ja hier zuhaus und kannte jede Ecke und jeden Winkel.

Fuhr ein Auto vorbei, so schloss er die Augen. Denn das Auto konnte er schon vorher hören und so rechtzeitig reagieren.
Den Nachbarn, der aufstand, um zur Frühschicht zu gehen, hörte er aber nicht.  Das Zimmerlicht gegenüber ging an und vorbei war es mit der Dunkelheit!

Wenn unser Astronom den Mond oder die Planeten aufnahm oder gar die internationale Raumstation verfolgte, war das mit den Lichtern kein großes Problem. Und manchmal war der kleine Astronom sogar froh um die Straßenlaterne, neben der er dann immer sein Telekop aufbaute hatte. Er richtet alles her, solange die Laterne noch leuchtete. Wenn sie dann ausging, war er bereit für die Sterne.

 

Manchmal packte der kleine Astronom sein Zeug zusammen und ging raus aufs Feld, weg von den Lichtern der Stadt. Doch Lichter gab es überall, egal wie weit man marschierte.

Er hatte sich einmal eine Nacht Zeit genommen und war auf sein Fahrrad gestiegen. Er machte sich auf die Suche nach einem so richtig dunklen Ort. Ohne Erfolg!

Dörfer in einigen Kilometern Entfernung erhellten den Horizont. Einödhöfe waren wie Lichtspots. Die Schleusen des Main-Donau Kanals leuchteten fröhlich vor sich hin und irgendwo fuhr immer ein Auto vorbei.

Er hatte sich einen Kompromiss gesucht, im Schutz von Büschen und einem Wäldchen, nicht mal so weit weg von da, wo er wohnte. Zu Fuß erreichbar von daheim, wenn er nicht gerade das große Teleskop mitnehmen wollte.
Mit der Helligkeit am Horizont aber mußte er leben. Sogar das mehr als zwanzig Kilometer entfernte Nürnberg leistete hier seinen unrühmlichen Beitrag.

 

Der kleine Astronom dachte bei sich, daß es früher besser gewesen war. Früher waren die Nächte dunkler. Und er war sich sicher, daß das nicht nur Einbildung war. Die ganz dunklen Nächte waren weniger geworden, denn oft lag ein leichter Dunstschleier in der Luft.

Er war unsichtbar, dieser Schleier. Eigentlich! Wassertröpfchen, die auf feinsten Schmutzpartikeln kondensierten. Nicht sichtbar. Eigentlich!

Aber wehe, es kam Licht dazu!

 

Vor gar nicht so langer Zeit war der kleine Astronom losgezogen, um ein neues Pano für seine kleinen Sternenkarten zu fotografieren.

Es war leicht bewölkt gewesen, aber die Wetteraussichten waren gut. Auf der Wetterkarte zogen die Wolken ab. Bis er an seinem Teleskopierplatz war, würde es klar sein. Beste Bedingungen also.

Nun, ganz klar war es doch noch nicht, als er ankam. Er stellte das Stativ auf, schön in die Waage, schraubte den Kugelkopf drauf und befestige die Kamera.
8 Aufnahmepositionen hatte er geplant, jede 45° zur vorigen gedreht. An jeder Position dann 10 Bilder zum Stacken.

Er rechnete:
10 Fotos mit je 30 Sekunden Belichtungszeit, das wären 5 Minuten. Mit ein paar Auswackelzeiten dazwischen vielleicht 6 Minuten.
8 verschiendene Positionen, also 8 mal 6 Minuten. Das waren 48 Minuten. Einstellzeiten noch dazu. Alles in allem eine Stunde, dann würde er das Pano im Kasten haben.

Es war Herbst und es war die Zeit, in der die Nebel kamen. Und tatsächlich! Dicht über dem Boden sah unser Freund leichten Dunst herankriechen.
Er stellte die erste Aufnahmeposition ein, programmierte 10 Bilder in den Intervalometer der Kamera und startete die Aufnahme.

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Und dann kam das Licht!

Ein Schiff tuckerte unten den Main-Donau Kanal entlang. Und seine Scheinwerfer, obwohl eigentlich unsichtbar, machten die Nacht zum Tag!

schiff2

schiff3

Resigniert schaltete der kleine Astronom die Kamera ab, packte alles zusammen und ging nach Hause. Es wären so schöne Bilder geworden, bei denen selbst der aufziehende Nebel nicht gestört hätte.

Wenn es dunkel geblieben wäre!

Es fährt immer irgendwo ein Auto vorbei, dachte er bei sich. Nur daß es diesmal ein Schiff war, das Auto.

 

Über das alles dachte der kleine Astronom in dieser Nacht nach, als er oben aus dem Dachflächenfenster blickte. Seine Gedanke wurden langsam träger. Müde geworden, schloss er das Fenster und ging zu Bett.

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5 Gedanken zu „Lichtverschmutzung

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