Der Polarstern

Polaris

Am Nachthimmel gibt es einen Stern, der eine herausragende Bedeutung erlangt hat. Man könnte sogar sagen, um diesen Stern dreht sich die gesamte Welt. Und man hätte mit dieser Behauptung gar nicht so Unrecht.

Ihr werdet es schon erraten haben, welchen Stern ich meine. Genau,  es ist Polaris, unser Polarstern.

Polaris wandert nicht mit den anderen Sternen über den nächtlichen Sternenhimmel. Nein, seine Position ist konstant. Egal, zu welcher Zeit man auch schaut, Polaris wird immer am gleichen Ort zu finden sein. Und dieser Ort liegt ziemlich genau in Richtung Norden.

So weit, so klar. Bleiben noch zwei klitzekleine Fragen offen:

  1. Warum ist das so? Warum zeigt Polaris die Nordrichtung an?
  2. Wie zum Teufel finde ich diesen Polaris?

Ich möchte die zweite Frage zuerst beantworten. Das „Wo“ ist nämlich wichtiger als das „Warum“, wenn man nach einem ausgedehnten Kneipenbesuch den Heimweg sucht.

Ein Wegweiser zum Polarstern

Der Polarstern gehört zum Sternbild Kleiner Wagen.

Das ist zwar eine interessante Information, hilft uns aber nicht viel weiter bei der Suche nach Polaris. Denn der kleine Wagen ist alles andere als ein Sternbild, das sofort ins Auge sticht. Die Form ist prägnant, ja. Die Sterne sind jedoch nicht gerade die hellsten.

Es gibt aber ein Sternbild am Himmel, das uns zu Polaris führen wird. Und dieses Sternbild hat zudem noch den Vorteil, sehr auffällig und bekannt zu sein. Es ist der Große Wagen.

Der große Wagen hat die Form eines Schubkarrens,  dem allerdings das Rad fehlt. Deswegen muß er auf seiner nächtlichen Bahn wohl über den Himmel geschleift werden. Der Staub, der dabei aufgewirbelt wird, ist Sternenstaub, denke ich.

Die beiden Sterne am Ende des Schubkarrens heißen Merak und Dubhe. Sie werden Zeigersterne genannt, denn sie zeigen den Weg zum Polarstern:

Man nehme die Strecke zwischen Merak und Dubhe und verlängere sie um das fünffache nach oben aus dem Wagen raus und schon ist man bei Polaris angelangt.

Polaris ist der hellste Stern in der Gegend, wo dieser imaginäre Zeiger hinzeigt.

Der Polarstern
Für mehr Details ein oder zweimal ins Bild klicken

Warum steht Polaris immer genau im Norden?

Es halten sich hartnäckig Gerüchte, daß unsere Erde die Form einer Kugel hat. Und nicht genug damit, diese Kugel dreht sich auch noch um sich selbst mit einer wahnwitzigen Geschwindigkeit von 1 Umdrehung pro Tag.

Man könnte sich das bildlich so vorstellen:

Die Erde hängt an einem Drehspieß am Grill. Den Grill haben wir aber nicht angezündet, damit es uns auf der Erde nicht zu warm wird.

Der Spieß ist die Drehachse und geht durch Süd- und Nordpol der Erde. Mit dem Spieß dreht sich die Erde langsam auf dem Grill, mit 1 Umdrehung pro Tag.

Rundherum um den Grill ist unser Weltall. Da befinden sich die Sterne, die Planeten, die Galaxien usw.

Da der Grill feststeht, sind sich die gedachten Sterne immer an der gleichen Stelle. Sie sind fest verankert, fix sozusagen. Deshalb vielleicht auch der Name Fixsterne.

Auf einen dieser Sterne zeigt die Spitze des Grillspießes, die aus dem Nordpol der Erde rausschaut. Und dieser Stern ist, ihr werdet es schon ahnen, Polaris, der Polarstern.

Das bedeutet, wenn wir von der Erde aus Polaris sehen, dann schauen wir nach Norden, in Richtung der Spitze des Drehspießes.

Wenn alles fix ist da oben, warum bewegen sich die Sterne am Nachthimmel?

Der Lauf der Sonne über den Taghimmel, die Bewegungen von Mond, Planeten und Sternen über den Nachthimmel, sind der Rotation der Erde geschuldet.

Wirklich nur der Rotation?

Nun, ganz so feststehend, wie ich vorhin behauptet habe, ist das alles doch nicht. Im Gegenteil. Alles ist sogar ständig in Bewegung.

Die Entfernungen zu den Sternen und Galaxien sind aber so groß, daß wir deren Bewegungen nicht objektiv wahrnehmen können.

Selbst bei uns nahegelegenen Objekten wie der Sonne oder dem Mond, sind deren Bewegungen nur über einen längeren Zeitraum hinweg bemerkbar.

Deshalb vernachlässige ich all diese Bewegungen für meine Betrachtungen über den Polarstern.

Gibt es nicht doch eine Bewegung, die nicht vernachlässigbar ist?

Eigentlich nicht, wenn es darum geht, den Polarstern zu finden. Dennoch gibt es eine Bewegung, die erwähnt werden sollte, da sie in direkter Beziehung zu Polaris steht:

Die Präzession

Der Grill, auf dem sich die Erde langsam um ihre eigene Achse dreht, ist leider schon in die Jahre gekommen. Es war einmal ein teures Gerät gewesen. Doch nun zeigen sich Alterserscheinungen:

Die Lager, auf denen der Drehspieß läuft, sind ausgeschlagen!

Die Spitze des Spießes wandert langsam weg von Polaris und beschreibt, über Jahrtausende gesehen, einen großen Kreis am Himmel. Irgendwann wird der Spieß nicht mehr auf Polaris zeigen, sondern auf einen anderen hellen Stern. Und dieser Stern wird dann der neue Polarstern werden.

Die Erde eiert also. Und diese Eierbewegung wird Präzession genannt.

Diese Präzession ist ein interessantes Phänomen. Deshalb hab ich ihr einen eigenen Artikel gegönnt: Die Präzession

Liegt der Polarstern nun genau im Norden oder nicht?

Für den Kneipenbesucher auf dem Heimweg: Ja
Ansonsten: Nein

Die Spitze des Drehspießes, auf dem unsere Erde steckt, zeigt genau auf einen bestimmten Punkt am Himmel. Dieser Punkt wird Himmelsnordpol genannt.

Polaris befindet sich nicht exakt auf diesem Himmelsnordpol. Sonst wär´s einfach! Der Abstand davon beträgt etwa 40 Bogenminuten, also etwas weniger als 1 Grad.

Zur Veranschaulichung: Ein halbes Grad, also 30 Bogenminuten ist eine Vollmondgröße.

Bedingt durch die Rotation der Erde scheinen sich alle Sterne um den Himmelsnordpol zu drehen. Einmal rundherum pro Tag. Auch Polaris ist ein Stern. Auch Polaris dreht sich um diesen Himmelsnordpol.

Das bedeutet, abhängig davon, wie weit sich die Erde schon gedreht hat, befindet sich Polaris irgendwo zwischen einem knappen Grad links oder rechts von der exakten Nordrichtung oder eben exakt in Nordrichtung.

Ein mathematisches Problem, das beim Einsatz von Teleskopen durchaus bedacht sein sollte!

Wie hoch ist Polaris über dem Horizont?

Genauso hoch, wie unser Breitengrad ist.

Das läßt sich mathematisch leicht beweisen, ich tue es hier aber nicht.

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