Die ISS vor der Sonne

Ein lang gehegter Wunsch sollte  endlich Wirklichkeit werden: Die Aufnahme eines Transits der internationalen Raumstation vor der Sonne.

Der Pfad, in dem ein Sonnentransit beobachtet werden kann, ist nicht gerade sehr breit. Es sind gerade einmal 15 Kilometer. Und mein Teleskopiersplatz am Kakteenhügel lag knapp außerhalb dieses Pfades. Von dort aus würde ich den Transit nicht beobachten können. Es hieß also Fahren.

Das angekündigte gute Wetter war tatsächlich eingetroffen: Sonnenschein pur! Gute Aussichten also für die ISS.

Ich verstaute Ausrüstung und Frau im Auto und fuhr los. Das Ziel war ein Industriegebiet ein paar Kilometer entfernt. Dort konnte ich ungestört Montierung und Teleskop aufbauen. (Die meisten Firmen hatten am Sonntag geschlossen). Und dieser Ort war nur etwas mehr als einen Kilometer von der Zentrallinie des Beobachtungspfades entfernt.

Also alles aufgebaut:

  • Stativ mit der Montierung drauf
  • Ein Gegengewicht befestigt
  • Das kleine 5 Zoll MAK drauf
  • Sonnenfilterfolie vor das Objektiv und vor den Leuchtpunktsucher
  • Okular dran zum groben Zentrieren auf die Sonne
  • Autofenster mit einer dicken Decke verhängt
  • Im Kofferraum den Laptop und den externen Monitor für die DLSR aufgebaut (war angenehm finster dort 🙂 )
  • Selbstgebaute Stromversorgung (25Ah) verbunden
  • Und los ging es

Das Einnorden der Montierung war einfach. Ich ging ein paar Schritte hinter das Teleskop und suchte mit meinem Kompass die Nordrichtung. Da, die Straßenlaterne sah so aus, als würde über ihr Nacht für Nacht Polaris blinken! Montierung auf die Laterne ausgerichtet und das Ganze einigermaßen in die Waage gestellt.

Nun schaltete ich alles ein und startete am Laptop Cartes du Ciel. Ich steuere die Skywatcher-Montierung über den Laptop mit Hilfe von EQMod und einem Gamepad. Goto läuft über Cartes du Ciel.

Die Einnordung war gar nicht einmal so schlecht, denn ich landete nur knapp neben der Sonne, als ich sie in Cartes du Ciel als Zeil anwählte und anfuhr. Mit Hilfe des Leuchtpunktsuchers zentrierte ich grob. Die genauere Zentrierung erfolgte danach mit dem Okular. Die Feinarbeit würde ich später mit der Kamera machen. Ich startete die Nachführung und synchronisierte die Position.

Nun hängte ich an Stelle des Okulars die Kamera an das Teleskop und verband sie übr HDMI mit einem externen 12V-Monitor. Ich schaltete die Kamera ein und zentrierte die Sonne so, daß sie vollständig im Bild zu sehen war. Ich fokussiert auf den Rand der Sonne und versuchte (ohne Erfolg) etwas Granulation auf der Sonne zu erkennen, die mir das Fokussieren erleichtern würde. Danach schaltete ich die Kamera aus und bedeckte Teleskop und Kamera mit einem hellen Tuch. Es hieß nun warten. eine knappe halbe Stunde noch bis zum kalkulierten Durchflug der ISS.

Meine Frau ging spazieren und ich schaute die Gegend an. Ab und zu kam ein Flugzeug vorbei und flog verdächtig nah an die Sonne heran. Beim Fokussieren hatte ich einen Flieger über Monitor huschen sehen. Ich war leider nicht schnell genug, die Videoaufnahme zu starten. Und die Flieger, die nun kamen, flogen alle knapp an der Sonne vorbei.

Dann war es soweit. 5 Minuten noch. Ich entfernte das Tuch vom Teleskop und schaltete die Kamera ein. Eine letzte Zentrierung noch und ich startete die Aufnahme.

Wir schauten gebannt auf den Monitor. Nichts war zu sehen von der ISS. Die Transitzeit war verstrichen, keine noch so kleine Spur der internatonalen Raumstation war zu sehen gewesen. Ich ließ die Aufnahme noch zwei Minuten laufen und schaltete dann ab.

Was folgte war der Abbau der Ausrüstung, ein kleiner Sonntagsausflug in Richtung Altmühltal, die Rückfahrt, Auto ausleeren, Video sichten und Essen gehen 😉

Eine genauere Inspektion des Videos ergab: Ich hatte sie tatsächlich erwischt, die ISS. Auf 26 Frames war die Raumstation zu sehen, wie sie vor der Sonne vorbeiflog. Ich stapelte diese Frames mit GIMP, um den komletten Transit in einem Bild einzufangen. Die Nachbearbeitung erfolgte mit darktable. Das Ergebnis seht ihr hier:

ISS Transit Sonne

Einige Daten noch:

Datum: 15. 10. 2017 am frühen Nachmitag
Ort: Im Zentrum des bekannten Universums, in Mittelfranken

Transitdauer: 1,05 Sekunden
Entferung ISS: 721 km
Bewegungsrichtung ISS: von rechts nach links

Montierung: Skywatcher: Az-EQ6GT
Steuerung über: Laptop mit Gamepad

Telskop: MAK 5 Zoll
Brennweite: 1500 mm

Kamera: Canon EOS 6D
Verschußzeit: 1/4000s
ISO: 100
Aufnahmemodus: Video h264
Framerate: 25 fps
Bildformat: FullHd

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